Erstmal Prost, Wochenende! Weil es immer etwas lang dauert, bis die Post aus Berlin hier eintrifft, komme ich heute erst auf ein Ereignis zu sprechen, das sich schon Anfang des Monats dahinergab. Meine Freundin Sabine Bätzing gab da Rechenschaft, was sie als Drogenbeauftragte so für ihre Klienten getan hat im letzten Jahr. Und siehe, sie hat wieder eifrig zählen lassen.
Dass es dabei nicht viel Neues gab, vermeldete unter anderem das Bildblog. Gleichwohl endet die dortige Tirade zur Unfähigkeit von Nachrichtenagenturen mit dem Credo:
“Keine Frage: Die Zahl jugendlichen Komasäufer ist erschreckend hoch.”
Da wüsste ich natürlich gerne, wie viele jugendliche Komasäufer es denn in den letzten Jahren gab.
Was immer die Experten dazu wissen mögen, ich finde es nicht. Denn der mir bisher nicht vergönnte (Erwachsenen)-Komarausch findet sich nicht in den Daten des Statistischen Bundesamtes, von dem die Drogenbeauftragte ihre Zählung hat (und auf die bei Nachfrage verwiesen wird).
Die um Abonnenten bangende Nachrichtenagentur dpa hat offenbar vermeldet:
23.000 Kinder seien im Jahr 2007 “zum Teil bewusstlos in die Notaufnahmen eingeliefert worden”, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD)
Das wäre allerdings großer Quatsch. Denn nach amtlicher Zählung betrug die Zahl der Hardcore-Kinder bis unter 10 Jahren in stationärem Krankenhaus-Urlaub nach Alkoholinkorporation (die ja nicht freiwillig gewesen sein muss) gerade mal: zehn. Als nächstes ist die Altersgruppe der 10 bis 15-jährigen ausgewiesen, ohne weitere Unterscheidung. Und da gab es im Jahr 2007 (aktuellere Daten liegen nicht vor) 3.779 Minderjährige, die ins Krankenhaus verbracht wurden. Wieviele davon unter 14 und damit Kind waren, verrät die Statistik nicht – so wie sie auch nichts über den Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen sagt, sondern nur vermeldet, dass sie vom Krankenhaus als Patienten gemeldet worden sind.
Da Koma ja nicht etwa als meditative Auszeit, sondern als Vorstufe zum Tod verstanden wird, wagen wir noch einen Blick auf die Mortalität: da gab es 2007 keinen einzigen Todesfall bei den 0 bis 15-Jährigen. Wohlgemerkt nur, was ihren eigenen Alkoholkonsum anbelangt. Verletzte und Tote durch alkoholisierte Erwachsene oder eilige Autofahrer wurden hier nicht gezählt.
Die Gefahr, in nicht alkoholhaltigem Wasser zu ersaufen, ist offenbar weit größer.
